Warum du nicht härter schlagen musst, um deine Gegner mehr unter Druck zu setzen

🎾 Autor: Timm Schaffner – ⏳ Lesezeit: 4 Minuten – ✍️ zuletzt aktualisiert: 26.02.2026

🎾 Autor: Timm Schaffner
⏳ Lesezeit: 4 Minuten
✍️ zuletzt aktualisiert: 26.02.2026

Viele Spieler wünschen sich eine krachende Vorhand und möchten immer härter schlagen. Natürlich ist die Härte deiner Schläge nicht unwichtig. Allerdings musst du Wege finden, um druckvoll zu spielen und gleichzeitig deine Fehlerquote nicht unnötig in die Höhe zu treiben.

💡 Tipps auf einen Blick

  • 80 % reichen aus: Wenn du dir vornimmst, mit etwa 80 % Power zu spielen, findest du den idealen Mittelweg zwischen zu harmlosen und zu fehleranfälligen Bällen. Am Ende ist es wichtiger, dass du konstant spielst.
  • Länge schlägt Härte: Zischen deine Bälle knapp übers Netz und überqueren kaum die T-Linie, wird es nicht nur Unforced Error hageln. Selbst wenn der Ball ins Feld geht, ist er nicht zwingend besser als ein mittelschneller Ball mit mehr Länge.
  • Schlau statt brutal: Statt das Tempo zu erhöhen, ist es oftmals sogar ratsamer, mehr zu variieren. Versuche, deinen Gegner mürbe zu machen, statt ihn nur zu overpowern. Ein solcher Matchplan ist sehr eindimensional.

Je härter deine Schläge, desto besser ist dein Tennis… richtig?

Wenn wir jetzt mal von raffinierten Bringern und Mondballspielern absehen, die ihre Gegner abnerven möchten, ist ein hohes Schlagtempo in der Regel ein Faktor dafür, um langfristig immer bessere Gegner zu schlagen. Je schneller du schlägst, desto kürzer ist die Reaktionszeit für deinen Gegner, was ihn zwangsläufig unter Druck setzen wird.

Doch vergleicht man es mit einem Besuch im Fitnessstudio, ist dein härtester Schlag so etwas, wie deine „Maximalkraft“. Ein Gewichtheber kann mal sein Rekordgewicht stemmen, aber wird auch immer wieder daran scheitern. Im Tennis kannst du es dir nicht erlauben, dass dein Power-Schlag nur einmal alle paar Versuche ins Feld geht, denn das erlaubt dir die Zählweise im Tennis nicht.

Stattdessen musst du es schaffen, dein durchschnittliches Schlagtempo zu erhöhen. Eine Faustregel besagt, dass du etwa mit 80 % deiner maximalen Geschwindigkeit zuschlagen solltest, damit deine Schläge zwar Gefahr entfachen, aber dies nicht zulasten einer viel zu hohen Fehlerquote geht.

Es lässt sich also das Zwischenfazit ziehen, dass „so hart wie möglich“ nicht das ultimative Ziel sein sollte, um dein Tennis zu verbessern. Vielmehr geht es darum, dass deine Fehlerquote nicht unnötig explodiert.


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Länge ist wichtiger als Härte

Ein Ball mit viel Topspin, der tief ins Feld geht und nah an der Grundlinie aufkommt, setzt deinen Gegner unter Druck, ohne dass du das Risiko merklich erhöhen musst. Insbesondere aus einer neutralen Grundsituation solltest du diesen Ball bevorzugen.

Konzentriere dich beim nächsten Training bewusst darauf: Akzeptiere nicht, dass deine Bälle zu kurz sind. Spiele mit 80 % und sorge dafür, dass sie immer länger als die T-Linie fliegen. Wenn dir das oft gelingt, kannst du das Tempo verschärfen.

Nimm den Ball früh und erhalte das Tempo

Es gibt eine clevere Lösung, die das Spiel von Andre Agassi geprägt hat: Nimm den Ball früh, wenn es die Situation erlaubt. Dafür darfst du nicht warten, bis der Ball nach dem Aufprall seinen höchsten Punkt überschritten hat, sondern musst ihn schon im Aufsteigen treffen.

Das hat gleich drei Vorteile:

  • Du gibst dem Gegner weniger Zeit zum Positionieren
  • Du nutzt das Tempo deines Gegners aus und gibst es ihm zurück
  • Du hast nicht viel Zeit nachzudenken und triffst keine dummen Entscheidungen

Spiele entschlossen, aber mit Sicherheitsabstand

Du kannst den Ball auch aus einer neutralen Situation heraus schnell machen? Glückwunsch, aber der Fehler liegt oft darin, dass viele Spieler ihn zu riskant platzieren. Wer die Linie anpeilt, wenn es gar nicht nötig wäre, produziert unnötige Fehler.

Das Stichwort heißt hier: Sicherheitsabstand zur Linie. Statt 20 cm neben die Linie zu spielen, reichen auch 50 bis 70 cm. Der Druck auf den Gegner bleibt fast genauso groß, aber die Fehlerquote sinkt drastisch.

Entschlossenheit bedeutet nicht, den schwierigsten Schlag zu wählen. Es bedeutet, den richtigen Schlag klar und konsequent durchzuziehen. So entsteht ein druckvoller und gleichzeitig sicherer Schlag, der weder zu übertrieben noch zu halbherzig ist.

Tempowechsel sind besser als Dauerbeschuss

Wer jeden Ball mit hohem Tempo schlägt, wird für den Gegner mit der Zeit berechenbar. Smarte Tempowechsel bringen hingegen eine ganz andere Qualität ins Spiel. Ein langsamer, hoher Ball nach einer Reihe von flachen Schlägen, kann den Gegner völlig aus dem Rhythmus bringen.

Variiere deshalb bewusst: Mal ein flacher Ball, mal einer mit viel Topspin und vielleicht sogar hier und da ein Slice. Diese Mischung macht es für den Gegner viel schwerer, sich an dein Tennis zu gewöhnen, als wenn er sich einfach ans Tempo gewöhnen kann. Und du hast immer einen Plan B in petto, falls deine Power-Schläge heute zu fehleranfällig sind.


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